Der Solidaritätszuschlag entfällt für die meisten Deutschen

Der Solidarzuschlag („Soli“)entfällt ab Januar 2021 für rund 35 Millionen Steuerzahler. Während sich 90% der bisherigen Soli-Zahler über mehr Geld in der Lohntüte freuen, müssen Besserverdiener, Selbstständige und Unternehmen aufpassen.

von
Patrick Herold
Business
January 15, 2021

Mehr netto vom brutto durch Wegfall des Solidarzuschlag

Beim Blick auf die erste Gehaltsabrechnung des Jahres 2021 dürfte bei den meisten steuerzahlenden Arbeitnehmern Freude aufkommen. Auch ohne eine Gehaltssteigerung gibt es jetzt einen höheren Netto-Verdienst! Grund dafür ist die zum 1. Januar 2021 wirksam gewordene Abschaffung des Solidarbeitrags (kurz „Soli“), der mit 5,5% extra Steuern zu Buche schlug und das Netto-Einkommen schmälerte.

Begünstigt sind vom „Gesetz zurRückführung des Solidaritätszuschlags ab 1995“, wie die Neuregelung offiziell formuliert ist, über 90% derer, die ihn bisher entrichten mussten. Dabei entfällt er für rund 90% komplett, während weitere rund 6,5% von einer Verringerung des Entgelts profitieren. Erleichterungen gibt es auch bei den Gewerbetreibenden, die mit 88% vollständig vom Zuschlag befreit sind.

Mit rund 3,5% Anteil wird lediglich von rund 1,3 Millionen Steuerpflichtigen der Solidaritätsbeitrag weiterhin unverändert erhoben.

Mit der Reform setzt die GroßeKoalition nicht nur ein Wahl-Versprechen um, sondern beweist auch gutes Timing. Mit einer steuerlichen Entlastung der Bürger soll bestenfalls auch eine positive Wirkung für die Pandemie-gebeutelte Wirtschaft erzielt werden.

Eine neue Freigrenze macht es möglich

Umgesetzt wird die Neuregelung des Solidaritätsbeitrag über eine Anpassung des Freibetrags. Erst ab Überschreiten einer jährlich zu zahlender Einkommensteuer von 16.956 EURO bei Alleinstehenden bzw. 33.912 EURO für Verheiratete, muss der Solidarzuschlag entrichtet werden.Diese Steuerlasten werden allerdings für die meisten Deutschen nicht erreicht. Notwendig wäre hierfür ein Brutto-Jahres-Einkommen von 73.000 EURO bei Alleinstehenden bzw. 151.000 EURO bei gemeinsamer Veranlagung. Zur Erinnerung: Das (auch für die Vergabe von Rentenpunkten relevante) bundesdeutsche Durchschnittseinkommen eines Arbeitnehmers liegt bei ca. 40.000 EURO brutto.

Auch bei einem Überschreiten der Freigrenze wird allerdings von staatlicher Seite auf eine sofortige volle Abführung des Solis verzichtet. Du gelangst zunächst in die sog. „Milderungszone“, die verhindern soll, dass bereits bei einem marginalen Mehrverdienst über der Freigrenze die Steuerbelastung sprunghaft ansteigt. Daher wird in diesem Übergangsbereich zunächst ein (ansteigender) Teilbetrag des Solidarbeitrags fällig. Erst ab einem Brutto-Verdienst von 109.000 EURO als Alleinstehender bzw. 221.000 EURO als Ehepaar bist du von der Begünstigung ausgenommen und bezahlst weiterhin unverändert die 5,5% Solidarbeitrag.

Die Geschichte und Zielsetzung des Solidarbeitrags

Der Solidaritätszuschlag wurde erstmals im Jahr 1991 erhoben. Damals noch befristet auf ein Jahr sollte diese Zusatz-Steuer dabei helfen die Kosten der Deutschen Einheit zu finanzieren. Anwendung fand die Einnahme zudem bei der Bewältigung von Belastungen durch den zweiten Golfkrieg als auch über die Bundesgrenzen hinaus zur Unterstützung von wirtschaftlich schwächeren europäischen Nachbarländern.

Mit einer zweijährigen Pause in den Jahren 1993 und 1994 wurde den Steuerzahlern wieder etwas mehr Geld in derLohntüte zugestanden. Ehe im Jahr 1995 der Soli schon wieder sein Comeback feierte – und blieb. Er war seither ein fester Bestandteil der Steuerlast für Arbeitnehmer und verschaffte dem Fiskus ein deutliches Plus.

Zuletzt spülte der Solidarbeitrag rund 20 Milliarden EURO jährlich in die Staatskassen.

Eine der größten Steuersenkungen der Geschichte

Der Staat verzichtet durch die Soli-Reform auf Einnahmen in Höhe von rund 11 Milliarden EURO, was die Gesetzesänderung zu einer der größten steuerlichen Entlastungen für die deutschen Bürger in der jüngeren Geschichte macht. Am meisten begünstigt sind, wie die Zahlen bereits belegen, Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen – während Spitzenverdiener zukünftig nicht mehr nur prozentual mehr Geld abführen müssen, sondern auch eine echte Zusatzsteuer. So unterstreicht die Neuerung auch die Bestrebungen der großen Koalition eine sozial gerechtere und gleichzeitig wachstumsfreundliche Abgabenpolitik zu gestalten.

Achtung bei pauschaler Besteuerung!

Das deutsche Steuersystem ist bekanntermaßen komplex und mit zahlreichen Besonderheiten, Varianten und Sonderfällen versehen. So verwundert es nicht, dass auch bei der aktuellen Gesetzesänderung besser zweimal hingesehen und im Zweifel bei einemSteuer-Experten Rat eingeholt werden sollte. Bei pauschaler Besteuerung, wie sie teilweise bei kurzfristiger oder geringfügiger Beschäftigung Anwendung findet, bleibt beispielsweise der Zuschlag von 5,5% unverändert erhoben. Hier sind keine Anpassungen geplant.

Extrageld für die eigene Vorsorge nutzen!

Mit dem Wegfall des Solidaritätszuschlags steht fast jedem Deutschen Steuerzahler nun mehr Geld zur Verfügung. Das neue Mehr vom Brutto ist dabei die ideale Gelegenheit, um ohne Ausgabenverzicht Geld zum Investieren nutzen zu können. Besonders wer seine Rentenlücke noch nicht kennt oder diese noch nicht geschlossen hat, sollte die Chance nutzen seine Altersvorsorge zu optimieren. Schließlich gilt hier: Je früher, desto besser! Bei einem langen Investitionszeitraum kann die Kraft des Zinseszinses stärker wirken sowie das Risiko von Verlusten minimiert werden.

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Patrick Herold

Patrick Herold war bei einem der größten Finanzdienstleister Deutschlands in den Bereichen fondsgebundene Altersvorsorge und Berufsunfähigkeits-Absicherung tätig. Mit seinem BWL-Hintergrund beriet er Startups im Bereich Controlling & Funding und führt mit der Erfahrung einer folgenden mehrjährigen Tätigkeit im Bereich Digitalisierung eine Digital-Agentur, die Arztpraxen und Kliniken beim Online-Marketing und bei der Personalgewinnung unterstützt.

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